Preis 2014

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Groove Jazz – Von Funk bis Hip-Hop

„Groove – Das beim Zuhörer entstehende Gefühl, das durch Rhythmus, Spannung und Tempo des Musikstücks erzeugt wird“
(Martin Pfleiderer: Dimensionen der Groove-Erfahrung. Eine empirische Studie)

Jazz ist traditionell rhythmisch geprägt und hatte ursprünglich die Funktion, Menschen zum tanzen zu bringen. Im Laufe der Jahre hat sich der Jazz immer mehr zu einer Kunstform entwickelt, in der die Improvisation und der Klang im Vordergrund stehen.

Mit der Auflösung tonaler Formen ging irgendwann auch die Auflösung rhythmischer Formen einher. In den 70ern gewann der Sound dann, zunehmend an Bedeutung. Jazz wurde gehört und analysiert aber immer seltener wurde dazu auch getanzt. In den späten Sechzigern und frühen Siebzigern gab es mit dem Souljazz eine Renaissance des Rhythmus in der Jazzwelt. Der Jazzrock der frühen siebziger brachte weitere Spielarten des Groove hervor.

In den 80ern gab es auch mit dem englischen Jazz Revival um Bands wie „Matt Bianco“ Berührungen mit der Popmusik. In den 90ern schufen die „Dancefloor Jazz“ Alben des Mojo Labels die Basis für ein Wiederaufleben des Jazz als Tanzmusik. Begleitet von jungen Bands auf dem englischen „Acid Jazz“ Label fingen Jugendliche an zu „Incognito“ oder den „Brand New Heavies“ zu tanzen und entdeckten die groovebetonten Jazzalben der 70er Jahre neu. Diese Bands waren nicht nur vom Jazz geprägt, sondern auch stark vom amerikanischen Rare Groove der frühen 70er Jahre und schufen eine Melange aus Funk, Soul und Jazz, die auch heute noch ihre Bedeutung hat.

Später kamen unter anderem Hip Hop Bezüge dazu, wie z.B. bei der Band „Jazzkantine“ oder derBand US3 mit der Verwendung  eines Herbie Hancock Samples aus „Cantaloupe Island“. Beats und Rapeinlagen findet man seit dem bei vielen internationalen Jazz-Künstlern, wie z.B. Nils Landgren, John Scofield und anderen. Zahlreiche Verknüpfungen mit anderen Musikstilen bis hin zum Feld der elektronischen Musik machen Groove zu einer aktuellen und sehr lebendigen Stilform des Jazz.

Maßgebliche Kriterien für die Vergabe des Preises sind neben einer hohen musikalischen Qualität explizit alles, was heute zu einer nachhaltig erfolgreichen musikalischen Karriere gehört: Live Performance, Bühnenpräsenz, Band-Konzept und Image. Die Kraft des Jazz, sich immer wieder neu zu erfinden, soll nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar und spürbar werden. Jazz-Musiker, die sich diesem Anspruch öffnen, werden nicht nur neue Fans gewinnen, sondern auch von ihrer Kunst leben können.
Für den Bremer Jazzpreis 2014 werden 10 namhafte Juroren 20 Bands nominieren, die das Genre „Groove-Jazz“ im Rhythmus, in der Komposition, der Instrumentierung oder auch in ihrer Zusammensetzung künstlerisch anspruchsvoll verarbeiten.
Aus den 20 nominierten Bands wählt jeder Juror nach vorgegebenen Kriterien seine 3 Favoriten aus. Die 3 Spitzenreiter werden als Finalisten zu einem Live-Konzert am 26.9.2012 ins „Fritz“, einem Bremer Club, eingeladen. Dort präsentieren sie sich dem Publikum und einer 5-köpfigen Live-Jury. Im Focus der Bewertung steht das „Gesamtkunstwerk“, d.h. Umsetzung der Kategorie,  musikalische Qualität, instrumentale Fähigkeiten und live-performance. Die Gäste werden als Publikumsjuroren die Bands ebenfalls bewerten können.
Das Preisgeld soll dazu verwendet werden, der ausgezeichneten Band einen nächsten Karriereschritt zu ermöglichen. Dies können eine CD-Produktion, aber auch eine Konzerttour oder Marketingmaßnahmen sein. Mit dem Preisgeld wird ein Coaching-Paket verbunden sein. Das Coaching soll von einem Team aus erfahrenen Akteuren der Musikbranche umgesetzt werden und die Preisträger auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft begleiten.

Der Bremer Jazzpreis 2014 ist auf 10.000 Euro dotiert.

 

Die Kriterien:

Groove Jazz heißt Jazz mit Rhythmus – Jazz zu dem man auch tanzen kann. Im Sinne des Bremer Jazzpreises ist dieser Begriff weit gefasst. Ob durch den Einsatz von Loops, der Verwendung stilistischer Einflüsse aus dem Funk oder Rare Groove, aus dem Hip Hop oder Electro-Jazz ist unerheblich. Wesentlich ist, dass die Musik zur Bewegung anregt. Die Kriterien für die Nominierung im Einzelnen sind:

            1. Es sollen nur Eigenkompositionen gespielt werden.
            2. Keine Orchester; die maximale Größe eines Acts darf  10 MusikerInnen nicht überschreiten; auch Einzelkünstlerbewerbungen sind grundsätzlich möglich, wobei die Performance stets eine Kombination aus Rhythmus  UND Harmonie / Melodie sein soll.
            3. Jeder nominierte Act soll mindestens über 1 Schlagzeug / Percussion / Rhythmsection verfügen. Der Einsatz von Loops und Samples ist ebenfalls zugelassen.
            4. Nur Künstler mit Live-Erfahrung sind zugelassen.
            5. Die Künstlergruppe sollte mindestens eine CD/ Tonträger Produktion veröffentlicht haben.

Am 26. September 2014 präsentieren sich die 3 Finalisten der Live Jury und dem Publikum im FRITZ Bremen.


Bremer Jazzpreis 2014 geht an Kompost 3

Konzerte der Final-Bands begeisterten Publikum und Jury

Im voll besetzten FRITZ Club Bremen erlebte das Publikum am gestrigen Abend ein mitreißendes Konzert. Die Auftritte der Final-Bands Pecco Billo, KUU! und Kompost 3 machten dem Motto „Groove Jazz – von Funk bis Hip-Hop“ alle Ehre. Ausgelassene Stimmung sowie ein hohes musikalisches Niveau sorgten bei Besuchern und Jurymitgliedern gleichermaßen für Begeisterung – langer Applaus und „mitgroovende“ Zuschauer sprachen für sich. Am Ende des Abends überreichten die Organisatoren Wilhelm Friedmann, Oliver Heinz, Kai Stührenberg sowie Andrea Rösler den mit 10.000 Euro dotierten Preis der Wiener Gruppe Kompost 3, die die hochkarätige Jury und das Publikum am meisten überzeugte.

Gewinnerband KOMPOST 3, Manu Mayr (electric & doublebass), Lukas König (drums, percussion instruments )

„Alle drei Bands waren wahnsinnig gut, deswegen ist uns ist die Entscheidung nicht leicht gefallen“, berichtet Musiker und Autor Nabil Atassi, der Juryvorsitzende des Abends. „Uns hat besonders beeindruckt, wie unterschiedlich die drei Finalisten jeweils das Konzept Groove-Jazz umsetzen.“ Neben Atassi bewerteten auch Musiker und Echo-Jazz-Preisträger Omar Rodriguez Calvo, ebenfalls Echo-Preisträger Bastian Jütte, NDR-Jazzredakteurin Claudia Schober und Journalist Rolf Thomas die Bands nach künstlerischer Qualität, instrumentalen Fähigkeiten, Bühnenpräsentation und -performance sowie Originalität. Und auch das Publikum durfte mitentscheiden – Jeder Besucher erhielt einen Stimmzettel und konnte für seinen Favoriten voten.

Glückliche Gewinner

Preisverleihung an die Gewinnerband KOMPOST 3, Manu Mayr, Martin Eberle, Lukas König, Benny Omerzell mit Dr. Will Friedmann

„Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung“, erzählt Manu Mayr, Bassist von Kompost 3. „Es war unglaublich schön zu spüren, wie unsere Musik beim Bremer Publikum angekommen ist. Und der Zeitpunkt könnte für uns nicht besser sein. Wir wollen bald ein neues Album aufnehmen – mit dem Preisgeld ist die Finanzierung fast gedeckt.“ Die Gruppe, die 2009 in einer Wiener Wohngemeinschaft entstand, wird aktuell als eine der spannendsten jungen Formationen der österreichischen Jazz- und Impro-Szene gehandelt. Leer gingen jedoch auch die anderen Finalisten nicht aus. Sie können ebenfalls auf ein Beratungs- und Coachingangebot zurückgreifen, um sich in den Bereichen Vermarktung, Social Media und Booking weiter zu professionalisieren.

Neben den diesjährigen Kandidaten stand auch Masaa, die Siegerformation von 2012, auf der Bühne. „Wir haben natürlich mitgefiebert“, erzählt Rabih Lahoud, der Sänger der vierköpfigen Gruppe. Seit dem Gewinn hat sich für die Musiker viel bewegt: Sie spielten zum Beispiel auf der Jazzahead! und tourten mit dem Goetheinstitut durch Ostafrika. „Das alles wäre ohne den Jazzpreis niemals denkbar gewesen“, ist sich Lahoud sicher. „Durch die mediale Aufmerksamkeit und die vielen neuen Kontakte sind wir auf Anhieb sehr weit gekommen.“

2016